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Es sind also nicht so sehr die Inhalte als die Formen, die am Feld der Web-Archive die Spreu vom Weizen scheiden. Dennoch erscheinen gewisse Aspekte netzwerksbasierter Bildarchivierung weitläufig beobachtbar:
1. Narzißmus
2. Department-Store Embedding
3. Flüchtigkeit
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John Hopkins, Island/ Arizona
1. Narzißmus: Die Eigenliebe der Bildermacher am WorldWideWeb scheint einen Grad erreicht zu haben, den weder die Malerei mit all ihren Selbstbildnissen, noch die klassische Fotographie oder gar die Videokunst je erreicht haben. (Video war bis dato wohl dasjenige Medium,das am stärksten introspektiv arbeitete.) Aus den Webpages lächeln einem die stolzen Autoren in einem Anhäufungsgrad entgegen, der einen bisweilen glauben machen, Abbildung wäre mit Selbstbildung und Porträtkunst mit Selbstporträtierung ident. Platz 2 der abgebildeten Objekte ist übrigens "mein Computer". Hätte die Malerei eine ähnlich perverse Liebe zum Werkzeug entwickelt wie die Webart, so müßten wir heute in den Museen statt Sonnenblumen und Seerosen "Van Goghs Pinsel" und "Monets Malwerkzeuge" bewundern.
2. Department-Store Embedding: Die Umgebungen, die Fotosammlungen im WorldWideWeb finden, unterscheiden sich von denen, die Hardware-Fotosammlungen suchen und finden, deutlich. Am Web sind die Archive oft zwischen "nützlicher Software", der eigenen Diplomarbeit, einer Liste von Lieblingsspielen u.ä. eingebettet. Das Nebeneinander von nützlichen, zumindest jedoch konsumierbaren Dingen, die weder inhaltlich noch formal aneinander sich messen können, ähnelt dem Angebot in großen Warenhäusern, in denen Abteilungen eine Ordnung vorzugeben versuchen, die semantisch nicht haltbar ist, aus pragmatischen Gründen jedoch aufrecht erhalten werden muß. Sebstverständlich wirkt jene Department-Store Struktur auf die ästhetische Form zurück. Die Nähe von Lieblingsspiel, Lieblingsfoto und witzig formiertem Lebenslauf erzeugt konsumentengerichtete -sthetiken, die den ständigen Absprung ins Nachbarrevier vorbereiten oder auffangen.
3. Flüchtigkeit: Obwohl die Fotosammlungen am Web technoide Erinnerungsmaschinen sind, und daher auf Rückschau und Bewahrung wie auch auf Verbreitung zielen, bewirkt die Dynamik der benutzten Technologie dementgegengesetzt ein permanentes Verschwinden der Objekte. Nicht nur die Möglichkeit, in Sekundenschnelle Bilder auszutauschen, zu löschen, zu verändern oder zu ergänzen, sondern auch die rasante Entwicklung der Darstellungsprogramme, der Dateiformate und der Übertragungsraten und möglichen Speicherkapazitäten befördert eine Tendenz zur Flüchtigkeit, die jedes Bild mit dem Stigma seiner Ersetzbarkeit ausstattet. Auch in dieser Hinsicht unterscheiden sich althergebrachte Hardware-Fotosammlungen von den Software-Archiven am Netz. Jene wollen Beständigkeit demonstrieren, diese exekutieren Veränderbarkeit.
Die avancierstesten Projekte in Hinsicht auf die Flüchtigkeit der Bilder sind Fotoausstellungen, die nur für Tage oder Stunden - bisweilen nur für Minuten - bestehen. Max Kossatz, der im Sommer mit einer Digitalkamera ausgerüstet die U.S.A. bereiste, stellte seine Fotographien nicht in den Rahmen eines elektronischen Gallerie- oder Sammlungszusammenhanges, sondern bediente sich der superkurzlebigen Aufbewahrungsform der Mailing-List als Transport- und Vorzeigemedium für seine Aufnahmen. Er versandte die Images, die nicht einmal auf Papier oder Film zu Hardware gemacht wurden, direkt als e-Images an eine Reihe von ausgesuchten Rezipienten. Jedem Rezipienten war es anheimgestellt, die Bilder anzusehen, anzusehen und aufzuheben, anzusehen und sofort zu löschen oder auch auszudrucken und dann in Hardpaper-Form zu bewaren. Diese Form der Fotodokumentation, der temporären Sammlung und des "Vielleicht"-Archives folgt sinnvollerweise dem Tempo und der Kurzlebigkeit des WorldWideWebs und stellt damit einen Akkord von technologischer Form und Inhalt her.